Was sind VOCs und warum sind sie in Innenräumen problematisch?
Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) können eine Vielzahl vermeintlich unzusammenhängender Symptome verursachen. Wie gefährlich diese Schadstoffe wirklich sind, wie du eine Raumluftmessung auf VOC durchführen und sie bekämpfen kannst, erfährst du in unserem umfassenden Ratgeber.
Was sind VOCs und warum sind sie in Innenräumen problematisch?
Hast du schon einmal den typischen Geruch in einem frisch renovierten Raum oder beim Auspacken eines neuen Möbelstücks wahrgenommen? Was du da riechst, sind in den meisten Fällen flüchtige organische Verbindungen, kurz VOCs (Volatile Organic Compounds). Diese chemischen Substanzen sind in zahlreichen Produkten enthalten, die wir täglich in unseren Wohn- und Arbeitsräumen verwenden. Obwohl einige VOCs unmittelbar wahrnehmbar sind, bleiben viele unbemerkt und können dennoch erhebliche Auswirkungen auf deine Gesundheit haben.
Was sind flüchtige organische Verbindungen (VOCs)?
Flüchtige organische Verbindungen sind kohlenstoffhaltige Substanzen, die bereits bei Raumtemperatur in die Gasphase übergehen können, wobei die wissenschaftliche Definition all jene Stoffe umfasst, die bei 20°C einen Dampfdruck von mindestens 0,01 kPa aufweisen. Was zunächst technisch klingt, bedeutet einfach ausgedrückt, dass diese Substanzen äußerst leicht verdunsten und so unweigerlich in unsere Atemluft gelangen. Die Bandbreite dieser allgegenwärtigen VOCs ist dabei erstaunlich groß und reicht von relativ harmlosen Verbindungen bis hin zu stark gesundheitsschädigenden Substanzen wie Formaldehyd, Benzol, Toluol oder Xylol. VOCs kommen selbst in der Natur vor, wie zum Beispiel als Terpene in Holz oder ätherischen Ölen.
In deutschen Wohnräumen haben Experten durch systematische Raumluftmessungen bereits über 300 verschiedene VOCs identifiziert, deren Belastung üblicherweise in der Einheit µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter) angegeben wird. Als Orientierungshilfe für Verbraucher und Fachleute hat das Umweltbundesamt daher spezifische Richtwerte für die Innenraumluft definiert, wobei besonders der Richtwert II von Bedeutung ist. Bei dessen Überschreitung besteht unmittelbarer Handlungsbedarf, was für die Gesamtheit aller VOCs (TVOC – Total Volatile Organic Compounds) bei einer Konzentration von 1.000 µg/m³ der Fall ist.
Gesundheitliche Auswirkungen von VOCs
Die Auswirkungen von VOCs auf deine Gesundheit können von leichten kurzfristigen Beschwerden bis hin zu schwerwiegenden langfristigen Folgen reichen. Unmittelbar nach der Exposition können folgende Symptome auftreten:
- Kopfschmerzen,
- Schwindel,
- Augenreizungen,
- Nasen- und Rachenreizungen
- Hautirritationen
Diese Reaktionen gehen häufig mit allgemeinem Unwohlsein, Konzentrationsschwäche oder Müdigkeit einher, wie zahlreiche Betroffene berichten. Bei langanhaltender Belastung mit bestimmten VOCs verschärft sich die Problematik deutlich, denn das Risiko für chronische Erkrankungen steigt stark an. Während einige dieser flüchtigen Verbindungen wie Benzol oder Formaldehyd im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, können andere langfristig zu chronischen Atemwegserkrankungen oder Allergien führen. Diese gesundheitliche Gefährdung wird zusätzlich durch den sogenannten „Cocktaileffekt“ möglicherweise verstärkt. Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem sich verschiedene VOCs in ihrer schädlichen Wirkung gegenseitig potenzieren können.
Besonders besorgniserregend ist dabei, dass bestimmte Personengruppen deutlich empfindlicher auf VOC-Belastungen reagieren als der Durchschnitt der Bevölkerung. Zu diesen vulnerablen Gruppen zählen insbesondere Kinder, Schwangere, ältere Menschen sowie Personen mit bereits bestehenden Erkrankungen wie Asthma oder chemischer Sensitivität, deren Organismus schon auf geringe Konzentrationen mit deutlichen Beschwerden reagieren kann.
Achtung bei der QNG-Förderung der KfW – hier spielen VOC eine Rolle!
Für alle, die im Rahmen der aktuellen KfW-Förderung bauen oder sanieren, ist das QNG-Siegel inzwischen ein zentraler Baustein und mit ihm das Thema VOC. Denn das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) ist Voraussetzung für die Förderstufe „mit QNG“ im Programm Klimafreundlicher Neubau, das höhere Kreditbeträge ermöglicht. Eine der Kernanforderungen ist dabei die Begrenzung flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) in der Innenraumluft. Vorgaben dazu finden sich im QNG-Handbuch, konkret in Anhang 3.1.3, der unter anderem Grenzwerte für TVOC-Emissionen nach 28 Tagen (z. B. max. 1.000 µg/m³) definiert. Betroffen sind sämtliche Materialien, die in Aufenthaltsräumen verbaut werden – also Bodenbeläge, Anstriche, Kleber, Dichtstoffe und ähnliche Produkte.
Der Nachweis der VOC-Konformität kann über zertifizierte Bauprodukte erfolgen (etwa mit EMICODE EC1PLUS, Blauer Engel oder Sentinel Haus Freigabe) und zusätzlich über eine Raumluftmessung nach Fertigstellung gemäß DIN EN ISO 16000-5. Wichtig ist: Die Anforderungen gelten explizit nur für nutzungsrelevante Innenräume, also Wohn-, Schlaf- und Aufenthaltsbereiche, nicht etwa Technikräume oder Nebenflächen. Und: Die Einhaltung der VOC-Kriterien muss bereits in der Planung und Ausschreibung mitgedacht werden. Denn erst wenn alle eingesetzten Materialien QNG-konform sind, kann der Fördernachweis im Rahmen der Nachhaltigkeitszertifizierung auch tatsächlich erbracht werden.
Das sind die häufigsten Quellen für VOCs in Wohn- und Arbeitsräumen
Die Quellen für VOCs in unserer unmittelbaren Umgebung sind vielfältiger, als du vielleicht denkst. Besonders neue Möbelstücke, insbesondere solche aus Pressspan oder mit bestimmten Oberflächenbehandlungen, können über Monate oder sogar Jahre hinweg kontinuierlich VOCs freisetzen, während auch Bodenbeläge wie Teppiche, Vinylböden oder Laminat als potenzielle Emittenten unsere Raumluft belasten können. Im Haushalt erweitert sich das Spektrum der VOC-Quellen erheblich durch Reinigungsmittel, Lufterfrischer, Duftkerzen und Kosmetika, die allesamt erheblich zur Schadstoffbelastung beitragen können. Hierbei ist besonders tückisch, dass selbst vermeintlich umweltfreundliche Produkte problematische Inhaltsstoffe enthalten können und Farben, Lacke, Klebstoffe und Lösungsmittel besonders intensiv ausgasen. Aus diesem Grund werden nach Renovierungsarbeiten regelmäßig erhöhte VOC-Werte gemessen.
Die Liste alltäglicher VOC-Quellen setzt sich fort mit elektronischen Geräten wie Druckern, Kopierern oder neuen Computerteilen, die ebenfalls diese flüchtigen Verbindungen freisetzen. Sogar scheinbar harmlose Alltagshandlungen wie Kochen, Rauchen oder die Verwendung von Desinfektionsmitteln leisten ihren Teil zur VOC-Belastung unserer Raumluft bei. Vor diesem Hintergrund erscheint es besonders alarmierend, dass die VOC-Konzentrationen in Innenräumen typischerweise zwei- bis fünfmal höher liegen als im Außenbereich.
Methoden zur Raumluftmessung auf VOC
Bei der Wahl der Messmethode musst du zwischen Kosten, Genauigkeit und Informationsgehalt abwägen. Für eine fundierte Bewertung der Raumluftqualität und bei gesundheitlichen Beschwerden ist die professionelle Raumluftmessung auf VOC durch Fachleute immer die erste Wahl.
Für eine schnelle Orientierung stehen Direktanzeigegeräte zur Verfügung. Diese tragbaren Messgeräte zeigen TVOC-Konzentrationen in Echtzeit an, können jedoch meist nicht zwischen einzelnen Substanzen unterscheiden. Sie sind nützlich zur Überwachung von Veränderungen der Raumluftqualität. Alternativ gibt es passive Sammelmethoden, bei denen spezielle Sammler ohne Pumpe über einen längeren Zeitraum (meist 1-7 Tage) in den Räumen platziert werden. Passive Messungen sind orientierend, aber für behördliche oder gerichtliche Nachweise meist nicht ausreichend. Beachte jedoch, dass diese Tests oft weniger präzise sind als professionelle Messungen und nicht alle relevanten VOCs erfassen können.
Professionelle Raumluftmessung auf VOC: Ablauf und Durchführung
Die professionelle Raumluftmessung auf VOC folgt einem strukturierten Ablauf, um aussagekräftige und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Grundlegend hierfür ist eine sorgfältige Vorbereitung, die vor der eigentlichen Messung stattfindet. Damit die Ergebnisse die tatsächliche Belastungssituation widerspiegeln, sollten die Räume mindestens 8 Stunden vor der Messung nicht gelüftet werden. Ergänzend dazu werden oftmals Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit auf normale Nutzungsbedingungen eingestellt (etwa 20-22°C und 40-60% relative Luftfeuchte), um standardisierte Bedingungen zu schaffen.
Nachdem diese Vorbereitungen getroffen wurden, beginnt die eigentliche Probenahme. Hierbei positioniert der Messtechniker das Probenahmegerät strategisch in Aufenthaltshöhe (ca. 1,5 m über dem Boden) und möglichst zentral im Raum, wobei ein ausreichender Abstand zu Türen und Fenstern eingehalten wird. Die aktive Probenahme dauert üblicherweise ca. 1 Stunde. Parallel zur laufenden Messung erfasst der Techniker wichtige Randbedingungen wie Raumgröße, Baumaterialien oder Imgebungsparameter, um diese später bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigen zu können.
Nach Abschluss der Messphase werden die sorgfältig gesammelten Proben zur detaillierten Analyse in spezialisierte Labore überstellt. Dort kommen hochentwickelte Verfahren wie Gaschromatographie und Massenspektrometrie (GC/MS) zum Einsatz, mit deren Hilfe die einzelnen VOCs präzise identifiziert und quantifiziert werden können. Die daraus resultierenden Ergebnisse präsentieren die Experten typischerweise als Konzentrationen in Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) für Einzelsubstanzen sowie als übergreifenden TVOC-Wert, der die Summe aller flüchtigen organischen Verbindungen zusammenfasst.
Maßnahmen zur Reduzierung von VOCs
Wenn die Raumluftmessung auf VOC erhöhte Werte ergeben hat, kannst du verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Belastung zu senken. Dabei stellt die einfachste und oft wirksamste Methode das regelmäßige und korrekte Lüften dar. Besonders effektiv ist hierbei das Stoßlüften für 5-10 Minuten mehrmals täglich mit weit geöffneten Fenstern, was deutlich mehr Luftaustausch bewirkt als dauerhaft gekippte Fenster. Für besonders belastete Räume empfiehlt sich darüber hinaus ein strukturierter Lüftungsplan, der den Austausch der Raumluft systematisch optimiert.
Neben dem Lüften spielt auch die bewusste Auswahl neuer Materialien und Produkte eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung von VOCs. Achte dabei gezielt auf anerkannte Umwelt- und Gesundheitssiegel, die niedrige VOC-Emissionen garantieren. Vertrauenswürdige Labels wie der „Blaue Engel“, „natureplus“ oder „EMICODE EC1“ kennzeichnen besonders schadstoffarme Produkte und bieten somit eine hilfreiche Orientierung. Zusätzlich zu diesen Siegeln existieren für Bauprodukte und Möbel spezifische VOC-Emissionsklassen, die dir die Auswahl umweltfreundlicher Alternativen erleichtern können.